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Techno-Fans singen Seemannslieder
Vier Musikfreunde gründen Löhner Shanty-Gruppe
Texte werden A-cappella vorgetragen
 
Westfalen-Blatt vom 11.07.2009
Von Kathrin Brinkmann (Text und Foto)
 
Löhne (LZ). Für die einen ist es eine normale Musikgruppe, für die anderen der wahrscheinlich kleinste Shanty-Chor Deutschlands. Stephan Kruppke, René Landré sowie Melissa und Richard Evans haben sich in einem alten Stall ihren Proberaum eingerichtet. Dort üben sie Shantys in Originalform: »Nämlich A-cappella«, wie Richard Evans verrät.

   Für den Löhner war es immer ein Traum, Shantys so vorzutragen, wie sie auch auf den Großseglern gesungen wurden. »Kaum jemand weiß heute noch, woher die Lieder wirklich stammen«, so Evans. Shantys seien eine musikalische Begleitung für die Arbeiter auf den Schiffen gewesen. »Sie erzählen von zu Hause und sind dazu gedacht, das Arbeitsleben auf dem Schiff zu begleiten, damit es nicht so monoton ist«, sagt er.

   Auch hätten die Seemannslieder dazu gedient, einen Rhythmus vorzugeben, damit zum Beispiel beim Setzen der Segel alle Matrosen gleichzeitig zugreifen. »Der einfachste Shanty, den ich kenne ist zum Beispiel ›Hau Ruck‹«, erklärt Evans. Auch dieser Ausruf diene dazu, Rhythmus vorzugeben.

   Da die Matrosen keine Hand frei hatten, um bei ihrer Arbeit ein Akkordeon zu benutzen, haben sich die vier Löhner Sänger dazu entschlossen, auch keins zu benutzen. »Damit unterscheiden wir uns von den meisten anderen Shanty- Chören«, informiert Stephan Kruppke.

   Die Löhner haben ihre Shanty-Gruppe »Monkey's Fist Germany» getauft. Übersetzt heißt das »Affenfaust Deutschland«. »Eine Affenfaust ist der Knoten, der früher zum Beschweren einer Wurfleine verwendet wurde«, erklärt Stephan Kruppke.

   Einmal wöchentlich treffen sich die Musikliebhaber zur Probe. Melissa Evans ist mit ihren 18 Jahren das jüngste Mitglied der Gruppe. »In meiner Freizeit höre ich Techno«, sagt sie. »Da wird im Freundeskreis oft geschmunzelt, wenn ich erzähle, dass ich Shantys singe. Die meisten Gleichaltrigen können mit dieser Musik überhaupt nichts anfangen.« Genauso geht es René Landré (26). Auch er hört eigentlich am liebsten Techno.

   Doch den Beiden ist egal, was andere über sie denken. »Die Lust zum Singen und zum auf der  Bühne stehen ist da. Da ist es ganz egal, ob man Shantys, Gospel oder ganz was anderes singt«, sind sie sich einig. Auch Melissas Freund Andre kommt mittlerweile zu Konzerten mit. »Dabei war er anfangs schon geschockt, als er von meinem Hobby erfahren hat.« Ansonsten sitzen im Publikum eher ältere Leute. »Und das, obwohl wir fast alle Shantys auf Englisch singen und somit viele Ältere den Text gar nicht verstehen «, sagt Melissa Evans. 44 Shantys hat die Gruppe im Repertoire. Und es sollen immer mehr werden.

   Besonderen Spaß bereitet den Shanty-Sängern der Text ihrer Lieder. »Denn der wurde von Shantyman zu Shantyman weitergegeben«, sagt Richard Evans. Auch wenn man auf einmal den Text vergessen habe, sei das alles halb so wild. »Bei Shantys kann man einfach singen, was man will. Bevor das Segel nicht gesetzt ist, hört man nicht auf. Deswegen war es nichts Ungewöhnliches, dass ein Shantyman eben mal so zehn Strophen hinzugedichtet hat«, sagt er. Schließlich hätten die Matrosen nicht jeden Tag das gleiche Lied hören wollen.

   »Der Shantyman hatte die Aufgabe, die Segler bei Laune zu halten«, so Evans. »Deswegen gibt es auch den Spruch ›Ein guter Shantyman ist genauso viel Wert wie zehn Extrahände am Tau‹.«

   Und gute Laune ist auch heute noch das, was die vier Löhner Sänger mit ihren Shantys verbreiten wollen. Der nächste Auftritt ist am 15. August in Warendorf auf dem Treffen der Shanty-Chöre.

Monkey's Fist Germany (Foto Kathrin Brinkmann)
Zur Löhner Shanty-Gruppe gehören Richard Evans (43),
Melissa Evans (18), René Landré (26) und Stephan Kruppke (50, von links)

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Letzte Änderung: 13.01.2010