Monkey's Fist Germany
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Wenn Affe Freddy eine Faust macht
Bei »Monkey's Fist Germany« können vier Shanty-Fans endlich singen, was sie wollen
 
Von Jana Winde (Westfalen-Blatt vom 18.08.2007)
 
Löhne - Wittel (LZ). Richard Evans nimmt sich das Mikrofon. Mit tiefer Stimme beginnt er zu singen, die Hände in den Hosentaschen und die Augen geschlossen. Seine Tochter Melissa sowie Stephan Kruppke und René Landré stimmen nach und nach ein, bis sie sich beim Refrain treffen: „Wey hey hey hey“.
Es erinnert an die Piraten auf hoher See, die den hohen Wellen trotzen. Auf hoher See befinden sich die vier aber nicht, sondern im Probenraum im Garten der Evans' an der Dornberger Heide auf dem Wittel. Dort treffen sie sich einmal in der Woche, um gemeinsam Shantys zu singen. Schon lange sind sie in einem Chor in Herford Mitglied, jetzt haben sie zusätzlich ihre eigene Gruppe gegründet. „Wir wollten zu den Liedern von früher zurück“, sagt Gründer Richard Evans. Viele der heutigen Shanty-Chöre würden nur noch Seemannslieder singen. Ein echter Shanty sei allerdings ein Arbeitslied, das die Strapazen auf hoher See erleichtern sollte. Jetzt machen die vier ihr eigenes Ding, ganz genau so, wie sie es möchten. Bereits 16 Lieder haben sie in ihrem Repertoire aufgenommen, es sollen noch mehrere Hundert folgen.
In der kleinen Hütte im Garten der Evans' ist alles, was zu dieser Gründung der Shanty-Gruppe nötig ist: Mikrofone, Lautsprecher, Notenständer und ein Rettungsring, in dem ein kleiner Affe lässig herum baumelt. Um den Hals hat das Tier eine Kette, an der ein Knoten hängt, der aussieht wie ein Ball. Für die Gruppe spielt das alles eine große Rolle, denn genau nach diesem Knoten haben sie sich benannt, nämlich »Monkey's Fist Germany«. „Das ist eigentlich ganz logisch“, sagt Stephan Kruppke. „Der Knoten ist typisch für die Seefahrt. Ins Innere wurde oftmals ein schwerer Gegenstand wie eine Kanonenkugel geknotet. Dann wurde dieser Knoten zur Beschwerung einer Wurfleine genutzt, damit diese weiter flog.“ Auf Deutsch heißt das ganze »Affen-Faust«. Um auch wirklich zu verdeutlichen, dass diese Gruppe aus Deutschland kommt, setzten die vier einfach noch Germany hinten an ihren Namen. Und so hatten sie auch keine Probleme, ein passendes Maskottchen zu finden. Der Affe »Freddy« ist immer mit dabei.

Monkey's Fist Germany-Gruppenbild WB

Richard Evans zeigt den Knoten, der zur Namensfindung der Gruppe »Monkey’s Fist Germany« geführt hat, zu der auch Stephan Kruppke, Melissa Evans und René Landré gehören. Foto: Jana Winde

Für den Waliser Richard Evans, der 1989 nach Deutschland kam, ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Seit zwei Jahren dachte er daran, eine eigene Gruppe zu gründen, die sich von herkömmlichen Shanty-Chören unterscheidet. „Viele Shantys wurden im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Die Texte haben sich nach und nach verändert, teilweise sind die Lieder nicht mehr wieder zu erkennen“, erklärt Evans. Jetzt will er zurück zu den Originalen. Dass die Gruppe es dabei mit zwei Stunden-Liedern aufnehmen muss, lässt sie nicht zurück schrecken. „Zur Not wird ein wenig gekürzt.“ Um die Original-Texte seien sie aber immer bemüht. Denn nur dann würden sie sich in die Shanty-Sänger von damals zurück versetzen können, die ihre ganze Kraft einsetzen mussten, um beispielsweise das Schiff zum Anker ziehen zu können oder das Segel zu hissen.
„Mit Musik geht es einfach einfacher“, sagt Evans. Ihm sei wichtig, dass in seinen Shantys nicht nur die Seefahrerlieder berücksichtigt werden, sondern vor allem auch die Arbeitslieder. Denn damit kennen sie sich aus. „Diese Arbeits-Shantys können noch weiter unterteilt werden in Halyard-Shantys, die beim Segel hissen gesungen, und in Capstan-Shantys, die beim Anker hochziehen oder beim Anlegen gesungen werden“, erklärt Stephan Kruppke.
Mit dieser Kenntnis und dem schnell wachsenden Repertoire war es für die Neu-Gruppe auch kein Problem, Mitglied der »ISSA«, also der International Shanty- and Seasong Association, zu werden. Die Voraussetzung dafür erfüllen sie: Dreiviertel des Repertoires müssen Shantys oder Seasongs sein.
Mehr als 300 Mitglieder aus unter anderem Holland, Kanada, Japan, Neuseeland und jetzt auch Löhne gehören bereits zur ISSA. „Darauf sind wir natürlich stolz“, sagen die vier, bei der trotz allen Ehrgeiz der Spaß nicht zu kurz kommen darf. Wenn plötzlich mitten im Lied ein Mitglied anfängt zu lachen, sei das überhaupt kein Problem, sondern würde die gute Stimmung des Liedes herüber bringen. „Wir singen dann einfach weiter. Bei uns kann jeder jede Stimme, so dass dann ein anderer die Stimme weiter übernimmt“, erklärt Richard Evans. Auch mit dem Rhythmus können sie variieren. „Wir singen immer a-cappella, haben keine festen Solisten und auch keinen Dirigent. Wir singen einfach, wie es uns gefällt.“

 

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Letzte Änderung: 13.01.2010