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Nach der Arbeit Arbeitslieder
Löhner Musiker gründen die einzige echte Shanty-Gruppe in Nordrhein-Westfalen
 
Von Meiko Haselhorst (Neue Westfälische vom 18.08.2007)
 
Löhne. An den Mikrophonen der vier Sänger baumeln Schnüre, die an ihrem Ende zu einer festen Kugel verwoben sind. Seeleute kennen das Konstrukt unter dem Namen »Affenfaust« oder »Monkey’s Fist«. So heißt auch die Shantygruppe, die Richard und Melissa Evans, Stephan Kruppke und René Landré vor einigen Monaten ins Leben gerufen haben. Landesweit dürften sie wohl die einzigen Interpreten von echten Shanties sein.

Monkeys Fist Germany - Guppenbild NW

Inbrünstig: Richard Evans, Tochter Melissa, René Landré und Stephan Kruppke (v.l.) lieben Seemannslieder. Die 16-jährige Melissa trägt auf ihrer Schulter einen Affen als Maskottchen. Im Hintergrund ist die walisische Fahne zu sehen.
Foto: Meiko Haselhorst

”Zwischen einem Shanty-Chor und einer Shanty-Gruppe gibt es einen großen Unterschied”, erklärt Richard Evans. Während die wohlbekannten Shantychöre bei ihren Darbietungen auch Instrumente benutzen, verlassen sich die Shantygruppen einzig und allein auf ihre Stimmgewalt. ”Die Seemänner im 18. Jahrhundert hatten ja auch kein Akkordeon an Bord ihrer Großsegler”, sagt der Löhner, ”die haben bei der Arbeit gesungen, um sich die Langeweile zu vertreiben und im richtigen Rhythmus zu bleiben.”
Evans ist gebürtiger Waliser, kam in den 80er Jahren mit der Army nach Deutschland und blieb hier. Um seiner Sehnsucht nach der Heimat entgegen zu wirken, trat er vor einigen Jahren in die Herforder »Marinekameradschaft« ein, einem Shantychor der klassischen Sorte. „Ich mag die Musik und die Texte, die sich um Frauen, Schiffe, Schnaps und das harte Leben der Matrosen drehen“, erklärt IT-Fachmann Richard Evans seine Leidenschaft.
In der Kameradschaft lernte er auch seine jetzigen Mitsänger kennen. „Irgendwann fragte er uns, ob wir nicht Lust hätten, echte Shanties zu singen“, erinnert sich der Hiddenhausener Stephan Kruppke, der sich schnell für die Idee erwärmte. Auch René Landré aus Herford war dabei.
Dass meine Tochter Melissa mit machen würde, war mir eigentlich von vorn herein klar“, sagt Evans. Die 16-Jährige singt auch bei den Herforder »Werrepiraten« mit, dem ersten Kinder-Shantychor Deutschlands. „Privat höre ich aber ganz andere Sachen“, stellt die junge Löhnerin klar und lacht.

Melissa mit Monkey Fist

»Affenfaust«: Die Kugel besteht aus einer drei Meter langen Schnur, die von Seeleuten zum Beschweren von Wurfstricken benutzt wurde. Foto: Meiko Haselhorst

Seit April treffen sich die vier Hobbymusiker einmal wöchentlich zum Singen. Zu Feierabend werden dann – bei ein bis zwei Gläschen Bier – für zwei bis drei Stunden Arbeitslieder geschmettert. Als Proberaum dient den vier A-Capella-Musikern ein alter Schuppen auf Richard Evans’ Grundstück an der Dornberger Heide. „Hier gibt’s kaum Nachbarn“, lacht der 41-Jährige, „da stören wir wenigstens keinen.“
Verstecken müssen sich die Vier mit ihren kräftigen Stimmen aber keinesfalls: Ob Richard Evans, Tochter Melissa, Stephan Kruppke oder René Landré – singen können sie alle.
Bislang haben die Männer und Frauen von »Monkey’s Fist Germany« 16 Lieder einstudiert, die schon recht gut sitzen. An die Öffentlichkeit sind sie damit bislang noch nicht gegangen. „Wenn alles planmäßig läuft, haben wir am 26. August auf einem großen Shanty-Festival in Holland unser erstes Konzert“, sagt Evans und lässt damit offenbar eine Bombe platzen: „Davon wissen wir ja noch gar nichts“, rufen Stephan Kruppke und René Landré wie aus einem Munde. „Wollte ich Euch heute Abend noch sagen“, entschuldigt sich Evans und kann sich vor Lachen kaum halten. „Wir haben hier wohl ein kleines Kommunikationsproblem“, glaubt René Landré, freundet sich aber bald mit der Vorstellung an, vor 2.500 Zuschauern Arbeitslieder zu singen. Ausnahmsweise mal nicht erst nach Feierabend.

 

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Letzte Änderung: 13.01.2010